Wie wird man ein digitaler Nomade? Expertentipps von einer Weltreisenden

Momondo spricht mit Felicia Hargarten, Gründerin und Initiatorin des Zusammenschlusses Digitaler Nomaden, DNX, über Reisen um die Welt und das Arbeiten von unterwegs

Die digitalen Nomaden Felicia und Marcus in einem ihrer Büros

Die digitalen Nomaden Felicia Hargarten und Marcus Meurer in einem ihrer vielen “Büros”

Kategorie Reisetipps

Datum 28/07/2016

Wer kennt das nicht? Man sitzt im Büro, schaut voller Sehnsucht aus dem Fenster und zählt die Tage bis zu dem vor Monaten gebuchten Urlaub. Aber was wäre, wenn wir unsere Arbeit einfach … im Urlaub erledigen würden? Wenn wir die Welt bereisen könnten, während wir … arbeiten? Das klingt gut? Es lässt sich realisieren, du musst nur zum digitalen Nomaden werden.

Der Lebensstil eines digitalen Nomaden – die Welt zu bereisen und von jedem beliebigen Ort aus zu arbeiten – klingt so verlockend, und doch wagen es so wenige. Wir haben mit Felicia Hargarten darüber gesprochen, was ein digitaler Nomade eigentlich ist, was er macht und wie man einer werden kann.

Felicia und ihr Partner Marcus Meurer sind die Gründer und Initiatoren des weltweiten Zusammenschlusses Digitaler Nomaden, DNX . Gemeinsam haben sie das größte Event für das Zusammenkommen von ortsunabhängig arbeitenden Unternehmern ins Leben gerufen, die jährlich stattfindende DNX – Digitale Nomaden Konferenz. Außerdem organisieren sie an den schönsten Orten der Welt regelmäßige Coworking and Coliving DNX CAMPS. In diesem Jahr wird das Camp in Dahab in Ägypten stattfinden (für deutschsprachige digitale Nomaden), und für internationale/englischsprachige Dauerreisende in Jericoacoara, in Brasilien.

Was ist ein digitaler Nomade?

Digitale Nomaden sind Menschen, die gern reisen und von unterwegs aus arbeiten. Alles, was sie brauchen, ist ein Laptop und eine stabile Internetverbindung. Aber sie sind keine Backpacker oder Menschen, die schnell mal um den Globus jetten: Nomaden reisen langsam, sie leben wie die Einheimischen und ja, sie arbeiten wirklich.

Digitale Nomaden lassen sich in drei Gruppen einteilen: Freelancer (arbeiten für Kunden und tauschen Zeit gegen Geld), Unternehmer (entwickeln – meist digitale – Produkte und Dienstleistungen, arbeiten von einem beliebigen Ort) und Angestellte (mit Jobs, die sich von „überall aus“ erledigen lassen).

Wie wird man digitaler Nomade und welche Arten von Jobs sind typisch?

Marcus’ Besitz als digitaler Nomade
Marcus’ Besitz als digitaler Nomade. Mehr erfährst du hier

Du solltest dich mit dem Bauen von Websites und Homepages, SEO, Social Media, Onlinewerbung, Contentmarketing, E-Commerce, Sales Funnels, E-Mail-Marketing, Community-Building und dem Entwickeln von Produkten und Dienstleistungen auskennen. Natürlich kannst du Bereiche, in denen du nicht so gut bist oder die du weniger magst, outsourcen. Je nach deinen Fähigkeiten kannst du entweder als Freelancer durchstarten oder dein eigenes Produkt oder deine Dienstleistung verkaufen, wobei du auch auf den Traffic deiner Website achten musst, damit du deine potenziellen Kunden auch erreichst.

Wenn du noch nicht weißt, wie du es angehen sollst, dann versuche zuerst, Antworten auf die folgenden Fragen zu finden:

  • Was kann ich, worin bin ich gut?
  • Was mache ich gern?
  • Habe ich eine Lösung für ein Problem, das andere Menschen haben?

Was war dein Aha-Erlebnis, der Moment, in dem dir klar wurde, dass das Leben als digitaler Nomade etwas für dich ist?

Ein harter Tag im Büro
Ein harter Tag im Büro

Es gab keinen Plan, es war mehr eine glückliche Verkettung von Zufällen. Ich habe Eventmanagement & Tourismus studiert und dann lange in einem 9-5-Job in einem Unternehmen in Düsseldorf und Berlin gearbeitet. Mein Freund arbeitete in der Berliner Start-up-Szene und das hat ihn sehr inspiriert, so sehr, dass er sich selbstständig machen wollte. Und ich wollte mehr reisen, und eines Tages, als wir gemeinsam unterwegs waren, wurde uns klar, dass wir nicht nur von überall aus arbeiten konnten, sondern dass sich unsere Fähigkeiten auch perfekt ergänzten.

Das war der Moment, in dem wir beschlossen, gemeinsam zu arbeiten, während wir weiter auf Reisen waren. Wir sind seit vier Jahren Freelancer. Einige unserer Kunden kommen aus unserem großen Netzwerk der Gründer- und Onlinemarketingszene, in dem wir aktiv sind.

Hattet ihr Probleme bei der Umstellung auf euer neues Leben?

Anfangs hatten wir immer Probleme, uns an einem neuen Ort einzurichten, die richtige Infrastruktur zu finden, um produktiv arbeiten zu können. Inzwischen sind wir darin sehr schnell: Wo können wir arbeiten? Wo können wir wohnen? Wo treffen wir andere Leute? Woher bekommen wir eine SIM-Karte? Wo können wir gesundes Essen kaufen? Wo machen wir Sport?

Um produktiver zu sein, haben wir Alltagsroutinen entwickelt, dazu nutzen wir verschiedene Apps und Hacks (die wir auf unserem deutschen DNX-Podcast teilen, Life Hackz).

Planst du deine Reisen lange im Voraus oder suchst du dir einfach einen Ort und fährst los?

Ich suche mir einfach einen Ort und fahre los. Aber ich plane auch etwas im Voraus und passe meine Pläne an, wenn nötig. Das Nomadenleben ist unstet, deshalb ist es wichtig, ein paar Dinge zu planen, ansonsten reibt man sich schnell auf.

Was macht ein gutes Ziel für digitale Nomaden aus, sowohl im Hinblick auf Inspiration als auch aus praktischer Sicht?

Handy-Powerbanks ermöglichen Kommunikation und Arbeiten überall
Handy-Powerbanks ermöglichen Kommunikation und Arbeiten überall

Für mich sind abgelegene Orte die besten Ziele, eine Insel zum Beispiel, keine große Stadt. Ich bin gern in der Nähe des Ozeans, zum Kitesurfen. Da ich mich vegan ernähre, brauche ich ausreichende Möglichkeiten, entsprechend einzukaufen, und natürlich muss die Internetverbindung stabil sein. Ich mag es, wenn ich mit Menschen zusammenlebe, die einen ähnlichen Lebensstil haben wie ich, aber ich möchte auch bei den Einheimischen integriert sein.

Wie hat das Leben als digitaler Nomade dich dazu gebracht, auf deinen Reisen mehr Kontakt mit den Einheimischen zu haben?

Als digitaler Nomade hat man auf jeden Fall viel mehr und intensiveren Kontakt zu den Einheimischen als ein Tourist. Weil man viel mehr Zeit an einem Ort verbringt, lernt man sie richtig kennen. Wie ist ihre Kultur? Welche Probleme haben sie? Wie sehen sie die Welt? Was haben wir gemeinsam?

Wie ist die Community der digitalen Nomaden?

 Ein DNX-Treffen in Griechenland
Ein DNX-Treffen in Griechenland

Der Zusammenhalt der digitalen Nomaden ist sehr stark, vor allem auf unseren DNX – Digitale Nomaden Konferenzen und DNX CAMPS. Es ist eine sehr aktive und kreative Community, mit einer Menge toller Leute, die sich gegenseitig gern helfen und ihr Wissen teilen.

Was hast du durch deinen Lebensstil über die Welt gelernt?

Ich habe gelernt, dass es da draußen eine Menge Leute gibt, die “wach” sind. Die verstehen, dass unsere alten Systeme für die Menschheit nicht länger funktionieren. Sie sind bereit, sich für eine Zukunft einzusetzen, in der die Welt ihr inneres Gleichgewicht wiederfindet und ein friedlicher Ort ist. Wir müssen ja nicht nur die Art, wie wir arbeiten, ändern, es gibt so viel mehr: Bildung, Religion, Bankwesen, Gesundheitsversorgung, Wissenschaft und Staat.

Wir können unsere eigene Realität schaffen, denn alles, was uns umgibt, wurde ja von jemandem erschaffen. Man hat eine Wahl, bei jeder einzelnen Handlung. Es gibt bereits eine Menge Menschen da draußen, die Großartiges leisten, wir müssen nur lernen, uns zu vernetzen und zusammenzuarbeiten, damit wir etwas verändern können.

Was hast du durch dein Leben als digitaler Nomade über dich selbst gelernt?

Es hat mich bewusster werden lassen. Nicht nur in Bezug auf das Leben um mich herum, auch in Bezug auf mich selbst. Wer bin ich? Wovon träume ich? Was kann ich?

Was ist das Wichtigste, das du durch deinen Lebensstil gelernt hast?

Die Menschen auf der ganzen Welt sind vom gleichen Stern. Sie haben die gleichen Probleme, die gleichen Ängste und Hoffnungen. Die Welt ist viel friedlicher und respektvoller als die Medien einem weismachen, und jeder von uns hat Gemeinsamkeiten mit den Menschen, denen wir woanders begegnen.

Du kannst Felicia und ihren Reisen auf Medium und in ihrem deutschsprachigen Reiseblog Travelicia folgen. Wenn du Tipps und Tricks brauchst, wie du selbst als digitaler Nomade durchstarten kannst, dann sieh dich auf DNX Global um. Dieses Interview ist Teil der aktuellen Purpose-Initiative von momondo, die sich für Vielfalt, Reisen und eine offenere Welt einsetzt. Mehr dazu auf der Website Let’s open our world.

Ursprünglich veröffentlicht

28/07/2016